klubkatarakt16
Internationales Festival für experimentelle Musik
20. – 23. Januar 2021
Kampnagel, Hamburg

Festivalüberblick

Eröffnung
Mittwoch, 20. Januar 2021
20:00 Drei Räume

Inspiriert durch unsere räumlichen Möglichkeiten auf Kampnagel haben wir seit 2009 unterschiedliche innovative Formen der Präsentation experimenteller Musik entwickelt. Aufgrund der aktuellen Situation mit dem Covid-19-Virus werden wir diesmal keine Konzert-Installation für wandelndes Publikum veranstalten können. Aber ein bisschen wandern kann nie schaden. Das Festival wird im Westfoyer vom Ensemble
Nelly Boyd eröffnet. Die vier Musiker*innen präsentieren eine Komposition des im Juli 2020 verstorbenen Komponisten und Schlagzeugers
Matthias Kaul, der sowohl dem Ensemble als auch dem Festival verbunden war. Do nothing, just wait, the singing will start… sooner or later
von 2012 ist eine Komposition für Becken und japanische Elektrozahnbürsten.

Im Anschluss präsentiert das Decoder Ensemble Dissociated Press von Leopold Hurt, eine modular angelegte Serie von Kompositionen, die 2017 als Work-in-progress begonnen wurde. Die Instrumentation changiert dabei vom Solostück mit Elektronik bis hin zum Septett – speziell konzipiert für die charakteristische Besetzung des Decoder Ensembles. Dissociated Press – als Wortspiel angelehnt an „Associated Press“ – benennt einen Algorithmus zur automatischen Generierung von Texten auf der Basis bekannter Sprachmuster. Davon abgeleitet vereint der Zyklus verschiedene Herangehensweisen an das Prinzip des „Remix“, sowohl auf der Ebene der Sprache als auch der Musik. Im ständigen Spiel zwischen Original, Abbild, Mashup und Fake verschiebt sich nach und nach die Wahrnehmung.

Im Nachtkonzert spielen Lisa Lammel und Desheng Chen die letzte vollendete Komposition des italienischen Komponisten Luigi Nono (1924 – 1990): Hay que caminar, Soñando für zwei Violinen (1989). Zentrales Thema dieser Komposition ist das Wandern. Den Titel entnahm Nono einer Inschrift, die er an einer Klostermauer in Toledo entdeckte: “Caminante no hay caminos hay que caminar” (“Wanderer. Es gibt keine Wege. Es gibt nur das Gehen”). Nono fügte noch das Wort „träumend“ hinzu. In dieser Komposition sind die beiden Instrumentalisten aufgefordert, das Stück von verschiedenen Stellen im Raum zu spielen – sie durchwandern den Raum traumwandlerisch.

Das Konzert mit dem Decoder Ensemble wird freundlich unterstützt von:

Klaus Lang in Residence
Donnerstag, 21. Januar 2021
18:00 Präsentation Klaus Lang
20:00 Klaus Lang Porträtkonzert 1
21:30 Klaus Lang Porträtkonzert 2

Der 1971 in Graz geborene österreichische Komponist Klaus Lang ist Composer in Residence des diesjährigen Festivals. Musik ist für Lang ein freies, für sich stehendes akustisches Objekt. In seinen Arbeiten wird Klang nicht benutzt, sondern vielmehr hörend erforscht und „ihm wird die Möglichkeit gegeben, seine ihm innewohnende reiche Schönheit zu entfalten“ (Lang).

Nach einer Lecture zu seiner kompositorischen Arbeit wird Lang in zwei Konzerten mit dem österreichischen Trio Amos und der Pianistin Tamriko Kordzaia verschiedene Werke vorstellen; er selber wird am Harmonium zu hören sein. In diesem Porträtkonzert wird es auch die Uraufführung einer neuen, von klubkatarakt in Auftrag gegebenen Komposition geben.
Das Trio Amos besteht aus den Musiker*innen Sylvie Lacroix (Flöte), Michael Moser (Violoncello) und Krassimir Sterev (Akkordeon).

Matthias Kaul in memoriam
Freitag, 22. Januar 2021
20:00 Matthias Kaul / Pilkentafel: SHOWER (2019) EA
21:30 Matthias Kaul in memoriam: Ensemble L'ART POUR L'ART

Am 1. Juli 2020 verstarb der Schlagzeuger und Komponist Matthias Kaul. Dem Gedenken an diesen besonderen Musiker und Menschen widmet klubkatarakt den dritten Festivaltag. Der Abend beginnt mit Kauls letzter Arbeit SHOWER, einem Solo-Musiktheater mit Torsten Schütte unter der Regie von Elisabeth Bohde von der Flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel. SHOWER ist Körperreinigung, Ritual, Hygiene, Zwang, Genuss, Zu-sich-kommen, Sich-spüren, Aufwachen, Rückzug, Verschwendung, Luxus. Zuviel Wasser ist schlecht, zu wenig Wasser auch, Wasser an falschen Stellen erst recht, schmutziges Wasser sowieso und ohne Wasser geht gar nichts.

Im anschließenden Porträtkonzert, das von der Flötistin Astrid Schmeling und der Künstlerischen Leitung des Festivals konzipiert wird, werden fünf Kompositionen Kauls präsentiert. Ausführende sind die Musiker*innen des Ensembles L’art pour l’art, das von Kaul mitgegründet wurde.

Lange Nacht Special Edition
Samstag, 23. Januar 2021
20:00 Andrea Neumann
21:00 Nika Son
22:00 Lucrecia Dalt (RVNG Intl)
23:00 Huthwelker & Hoffmann

Der letzte Festivaltag präsentiert statt der traditionsreichen Langen Nacht dieses Jahr vier kürzere Einzelkonzerte.

Die Berliner Komponistin und Pianistin Andrea Neumann wird ein Soloprogramm auf einem Innenklavier spielen: einer Reduktion des Instruments auf die Saiten, den Resonanzboden und den gusseisernen Rahmen. Auf diesem demontierten Klavier-Rest, der mit Hilfe von Elektronik verstärkt und verfremdet wird, hat Andrea Neumann zahlreiche eigene Spieltechniken, Klänge und Präparationen entwickelt.

Nika Son aus Hamburg ist freischaffende Musikerin, Künstlerin, DJ und Film-Sounddesignerin. Als Klangkünstlerin widmet sie sich der Suche nach außergewöhnlichen Klängen und Entdeckungen neuer und alter Musiktechnologien. Sie präsentiert ihr erstes Soloalbum To Eeyore (2020).

Die Arbeit der in Berlin lebenden kolumbianischen Musikerin Lucrecia Dalt (RVNG Intl) umfasst die beiden Welten der Avantgarde und der zeitgenössischen elektronischen Musik, wobei sie Einflüsse aus ihrem Hintergrund als Geotechnikerin sowie Musik und Philosophien aus der ganzen Welt einfließen lässt. Sie wird als Hamburger Erstaufführung ihr neues Album No era sólida (erschienen im September 2020) vorstellen.

René Huthwelker und Carl-John Hoffmann spielen ein audiovisuelles Konzert. In seinen Solo-Performances erzeugt Huthwelker mit analog-synthetischen Rückkopplungsschleifen einen repetitiven Minimalismus, der sich durch polyrhythmische Netzwerke immer mehr zu pulsierenden Strukturen verdichtet. Der Videokünstler Carl-John Hoffmann unterstützt das Konzert mit Live-Visuals. Beide sind Mitglied des polymedialen Künstlerkollektivs Niedervolthoudini aus Hamburg.


klubkatarakt16
Internationales Festival für experimentelle Musik
Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg

Mittwoch, 20. Januar
Eröffnung

20:00 Drei Räume
  mit Decoder Ensemble & Heinrich Horwitz, Lisa Lammel & Desheng Chen & Nelly Boyd Kreis

Donnerstag, 21. Januar
Klaus Lang in Residence

18:00 Präsentation Klaus Lang
20:00 Klaus Lang Porträtkonzert 1
21:30 Klaus Lang Porträtkonzert 2
  mit Trio Amos, Tamriko Kordazia & Klaus Lang

Freitag, 22. Januar
Matthias Kaul in memoriam

20:00 Matthias Kaul / Pilkentafel: SHOWER (2019)
21:30 Ensemble L’ART POUR L’ART

Samstag, 23. Januar
Lange Nacht Special Edition

20:00 Andrea Neumann
21:00 Nika Son
22:00 Lucrecia Dalt (RVNG Intl)
23:00 Huthwelker & Hoffmann